Restauration 2004

Ausgangslage: Bei der Anlieferung Zustand 4-5  Auf der Oldtimerskala: 1 (neuwertig) bis 5 (Schrott)


Heutiger Zustand: 1 bis 2


Das ursprüngliche Baujahr ist 1961. Das Auto wurde damals zum Neupreis von 640 britischen Pfund angeboten. Der ursprüngliche Käufer orderte das Fahrzeug inkl. aller verfügbaren Extras. Die Extraliste umfasste allerdings nur eine einzige, aber nicht unwichtige, Position: Eine Heizung. Zu immerhin 23 Pfund Aufpreis. Allerdings heizt diese nur auf der Fahrerseite, dafür Sommer wie Winter gewaltig. Beifahrer schienen in den 60er Jahren nicht sooo wichtig gewesen zu sein.

Im Jahr 2003 fand der heutige Besitzer, Peter Ludin, das Fahrzeug in ziemlich mitgenommenem Zustand, in einer Garage mit undichtem Flachdach, in München. Es wurde zum Preis von 7'000 Franken erworben. Und wurde vom um Hilfe gerufenen Richard Koller noch am gleichen Tag in München auf den Anhänger geladen und nach Othmarsingen transportiert.

Aus der ursprünglich geplanten "kleinen Teilrestauration" entwickelte sich, wie beinahe üblich in solchen "Schnäppchen-Fällen", eine komplette Restauration. Warum?

Beim Zerlegen des Motors stellte sich heraus, dass nicht nur die Ventile des 2. und 3. Zylinders undicht waren, sondern auch die Pleuel und die Kurbelwellenlager der gleichen Zylinder angefressen waren. Und zu allem Übel war der Motor getunt. Das heisst, von den normalen 926 ccm und 45 PS (in Tat und Wahrheit muss das Werk bei der Angabe Pferdestärken wohl von Shettland Ponies ausgegangen sein) waren es jetzt 1050 ccm und angeblich 53 dieser possierlichen Tierchen!

Respektive es sollten soviel PS sein. Wenn die Kolbenringe noch ganz dicht gewesen wären. Der gemurmelte Mechaniker-Kommentar "nicht ganz dicht" könnte sich wohl auch auf den heutigen Besitzer während der Kaufpreis-Verhandlungen bezogen haben. Wir wollen hier Herrn Gübeli aber nichts in den Mund legen!

In einer spezialisierten Werkstatt in Brugg mussten sämtliche notwendigen neuen Motorteile auf Mass gefertigt werden. Handelsübliche Ersatzteile passten, wegen des besagten Tunings, nicht.

Gleichzeitig stellte der Karosseriebauer überraschend fest, dass das Fahrzeug eine "spezielle" Hohlraumversiegelung erhalten hatte. Nicht wie üblich mit Kriechöl, sondern, vermutlich aus Kostengründen, mit wasserziehendem Bauschaum!!! Als Folge davon hatte die äusserlich gut aussehende Karosserie tiefe Karies und faulte in den Innereien still vor sich hin!! Leider dürfen wir die Kraftausdrücke des Karosseriebauers mit denen er den Vorbesitzer belegte, aus Jugendschutzgründen hier nicht wiedergeben. Also: Viel Arbeit für den "begeisterten" Karossier.

Das Armaturenbrett wurde komplett erneuert, alle Armaturen und das Original-Radio (Übrigens: Ohne laufenden Motor saugt dieses gute Röhren-Radio die Batterie innerhalb von 10 Minuten leer) einer intensiven Revision unterzogen.

Und dann folgten noch die diversen "Feinarbeiten":

  • Sitze, Türen, Verkleidungen und Armaturenbrett wurden mit feinstem hellbraunen Leder überzogen
  • Komplett neue Bodenteppiche, eine neue Windschutzscheibe inkl. Rahmen
  • Ein speziell nach den Angaben von Richard Koller angefertigter, grösserer Kühler beseitigte die latenten Temperaturprobleme des getunten Aggregats
  • Installation von Scheibenbremsen. Diese neuen Bremsen verdienen den Namen Bremsen auch. Die Original-Trommelbremsen waren bereits mit den Original-PS hoffnungslos überfordert.
  • Umrüstung auf Speichenräder
  • Eine neue, nicht verölte Kupplung
  • Und als fast wichtigster Punkt wegen besagter Alltagstauglichkeit:: Eine neue Elektrik-Installation.

Alle diese Massnahmen machten aus dem vergammelten Sprite ein wunderschönes, (fast) alltagstaugliches Fahrzeug. Natürlich wurde der Begriff Restauration in Ehren gehalten. Es wurden nur zeitgenössische Teile und Techniken verwendet. Dies um das Fahrzeug auch wirklich als Oldtimer zu erhalten.

Als positiver Nebeneffekt der umfangreichen Motorrevision, wurde der grüne Frosch zum richtigen "Boliden" mit heute ca. 60 ausgewachsenen Pferdchen, keine Shettland-Ponies mehr; unter der Haube!

Der heutige Preis des Fahrzeugs wurde von der Versicherung mit 30'000.- Franken ermittelt.